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Auf zur Grünkohl-Tour!

Grünkohlfahrten

Von November bis in den März ist in Norddeutschland wieder die Grünkohlsaison. Neben Gerichten mit dem Gemüse finden überall auch die typischen „Kohltouren“ statt. Wir klären alle Nichtnorddeutschen auf und verraten Ihnen, was zu einer Kohlfahrt gehört.

Sie sind sportlich und einigermaßen trinkfest? Dann wäre eine Runde Boßeln genau das Richtige für Sie. Nie gehört? Das muss sich schnell ändern! Schnappen Sie sich einen Bollerwagen und ein paar Freunde – und lesen Sie hier, wie’s geht.

Grünkohlanbau
© Aenne Bauck - Fotolia.com

Boßeln, Pinkel und Co.  

Mit viel Bewegung an der frischen Luft kommt man gut durch die kalte Jahreszeit. Das wussten wohl auch schon unsere Vorfahren und erschufen die Tradition der Grünkohlfahrten, die im Norden Deutschlands aber auch in den Niederlanden und Skandinavien weit verbreitet ist.
 
Dass Grünkohl im Norden eine wichtige Rolle spielt, zeigt schon dessen Anbau. Rund ein Drittel der gesamten Ernte wird allein in Niedersachen eingefahren und zu großen Teilen wahrscheinlich auch dort gegessen, z. B. bei der so genannten „Schaffermahlzeit“, die seit Jahrhunderten in Bremen stattfindet. Oldenburg hält seit etwa 50 Jahren mit dem „Defftig Ollnborger Gröönkohl-Äten“ dagegen. Allerdings findet dieses Essen in Berlin statt – jedoch immer mit vorgekochtem Grünkohl aus der Stadt an der Hunte.

Doch nicht nur bei diesen altehrwürdigen Veranstaltungen dreht sich alles um das krause Gemüse – den gesamten Winter über finden im Norden so genannte Boßel- oder Kohlfahrten statt. Fuhren die reichen Bürger zu Beginn dieser Tradition mit dem Schlitten zum Grünkohlessen, steht heute vor dem gemütlichen Teil zuerst die sportliche Betätigung.

Boßeln

Wer nicht aus dem Norden oder Nordwesten kommt oder von dort stammt, hat den Begriff „Boßeln“ wahrscheinlich noch nie gehört. Dabei bezeichnet er eine der wichtigsten Traditionen dieser Regionen. Beim Boßeln – auch Klootschießen genannt – geht es darum, Zeit mit Freunden, Familie oder Kollegen zu verbringen, Spaß zu haben und sich das anschließende Grünkohlessen zu verdienen. Dazu trifft man sich in kleinen Gruppen, warm eingepackt und ausgerüstet mit einem Bollerwagen. Dieser enthält jede Menge Getränke – sowohl antialkoholisch als auch alkoholisch – und Kaffee für die Halbzeitpause am Wegesrand. Außerdem ist er mit Süßigkeiten aller Art sowie herzhaften Crackern und Chips ausgestattet.

Zum Spielen selbst dürfen natürlich die Boßelkugeln nicht fehlen. Diese müssen über eine festgelegte Strecke mit möglichst wenigen Würfen geworfen werden. Ähnlich wie beim Boccia holt man mit der Kugel in der Hand aus und wirft sie so, dass sie auf der Straße so lange wie möglich rollt. Zu den verschiedenen Wurftechniken gehören dann z. B. „Liek ut Hand“ (geradeaus) oder „överd Dum“ (Abwurf der Kugel mit Drall, um Kurven zu meistern). Wer gewinnt (oder wahlweise verliert) oder sich zwischendurch einfach aufwärmen möchte, bedient sich an den Getränken.

Geboßelt wird hauptsächlich auf wenig befahrenen, aber gut befestigten kleinen Straßen oder Wegen. Je nach Region variieren die Spielregeln, die Techniken und auch der Name. Das Ziel jedes Boßelausflugs ist jedoch immer ein Lokal, in dem dann ganz traditionell „Grünkohl mit Pinkel“ gegessen wird.

Grünkohlgericht
© Klaus-Peter Adler - Fotolia.com

Das Kohlessen 

Das Grünkohlessen bildet den gemütlichen Teil des Ausfluges. Das Gemüse selbst ist sehr kalorienarm und steckt – wie alle Kohlsorten – voller Vitamine, Ballast- und Mineralstoffe. Vitamin C und das Provitamin A, aber auch Kalzium sind beispielsweise in großen Mengen enthalten. Dass das eigentliche Gericht nicht ganz so mager ausfällt, liegt vor allem am „Pinkel“. Bei dieser typischen Wurst, die zum Grünkohl serviert wird, handelt es sich um eine geräucherte, grobkörnige Grützwurst, die in der Regel aus 
Schweinefleisch, Speck, Salz, Zwiebeln sowie Gewürzen und Hafer- oder Gerstengrütze besteht.

Höhepunkt eines jeden Essens ist die Wahl des/der Grünkohlkönigs/in. Dieser hat die wichtige Aufgabe, auch im nächsten Jahr eine Kohlfahrt zu organisieren. Wer gekürt wird, entscheidet sich z. B. beim Boßeln. Beliebt ist auch die Variante, das Gewicht der Teilnehmer vor und nach dem Essen festzustellen oder denjenigen auszuwählen, der am meisten/wenigsten isst oder trinkt.

Wenn Sie glauben, dass das schon das Ende der Kohlfahrt war, haben Sie sich jedoch getäuscht. Denn: Nach dem Essen steigt die Party! Mit viel Bewegung (in Form von Tanzen) klingt der Ausflug allmählich aus. 

Grünkohl-Rezept
© Darius Dzinnik - Fotolia.com

Rezeptidee Grünkohl mit Kohlwurst 

für 6 Portionen

  • 1 Zwiebel 
  • 1 EL Pflanzencreme
  • 750 g Grünkohl (a. d. Glas, TK oder Dose)
  • 250 ml Gemüsebrühe
  • 1 EL Zucker
  • 300 g durchwachsener Speck
  • je 300 g Kochwürste und Pinkel
  • 200 g Kochcreme
  • Salz
  • Pfeffer



Zwiebel schälen und fein würfeln. In erhitzter Pflanzencreme kräftig anbraten, Grünkohl zugeben und unter Rühren ca. 5 Minuten mit anbraten. Kohl mit Brühe ablöschen, Zucker, Speck und Kochwürste sowie Pinkel zugeben und mit Deckel bei mittlerer Hitze ca. 1 Stunde garen.

Speck und Würste aus dem Topf nehmen. Kochcreme unterrühren, einmal aufkochen, mit Salz, Pfeffer und Zucker abschmecken. Grünkohl mit Würsten und Speck servieren. Dazu passen Kartoffeln.