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Das deutsche Reinheitsgebot

Das älteste Lebenmittelgesetz der Welt

Bier verdankt seinen guten Ruf dem deutschen Reinheitsgebot, dem ältesten Lebensmittelgesetz der Welt. Bayernherzog Wilhelm IV. forderte vor 490 Jahren: „Ganz besonders wollen wir, dass forthin allenthalben in unseren Städten, Märkten und auf dem Lande zu keinem Bier mehr Stücke als allein Gersten, Hopfen und Wasser verwendet und gebraucht werden sollen.“ Der Bayernherrscher wollte damit dem damals abenteuerlichen Treiben beim Bierbrauen den Garaus machen.

Denn unsere Vorfahren kamen auf die absonderlichsten Ideen, um ihr Bier besser unter die Leute bringen zu können: Vom Zusatz von Kräutern ist zu lesen, von Ruß (für Dunkelbier), von Kreidemehl (um sauer gewordenes Bier wieder genießbar zu machen), und sogar Stechapfel und Fliegenpilz sollen zur geschmacklichen Verfeinerung des damaligen Gebräus verwendet worden sein.

Das deutsche Reinheitsgebot
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Erlass sorgt für klare Verhältnisse

Herzog Wilhelm sorgte am 23. April 1516 mit seinem Erlass für klare Verhältnisse: Bier wird aus Hopfen, Gerstenmalz und Wasser hergestellt. Punkt. Die Hefe wurde nicht erwähnt, sie war damals noch nicht bekannt, ebenso wenig wie die Tatsache, dass Hefesporen aus der Luft die Gärung beeinflussten.

Erst später gelang es, Hefe zu züchten und damit auch eine gleich bleibende Qualität des Bieres sicherzustellen.

Das bayerische Reinheitsgebot breitete sich relativ zügig über ganz Deutschland aus, obwohl auch andernorts längst ähnliche Regelungen getroffen worden waren. Seitdem dürfen in Deutschland gebraute Biere nur aus Gerste, Hopfen, Hefe und Wasser gebraut werden. Zucker, Chemikalien oder Aromastoffe haben im Bier nichts zu suchen und sind tabu.

Der Erlass von Herzog Wilhelm IV. (oben) trug den Titel: „ Wie das pier summer un winter auf dem Land sol geschenckt und prauen werden“. Dabei ging es nicht nur um die Zutaten fürs Bier, sondern auch um die Preise beim Ausschank.